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Weinlese an Rhein und Mosel: Regen erhöht Fäulnisrisiko

07. September 2026·18:06 Uhr
2 Min. Lesezeit
AgrarwetterWetterlage
Weinlese an Rhein und Mosel: Regen erhöht Fäulnisrisiko

Deutschlands Winzer haben in diesem Jahr so früh gelesen wie noch nie: Schon in der zweiten Augustwoche fielen die ersten Trauben. Jetzt läuft die Hauptlese beim spät reifenden Riesling, und ausgerechnet dazu kippt die Wetterlage. Ab Dienstagabend zieht eine Kaltfront auf – für hochreife Beeren ist Regen ein zweischneidiges Geschenk.

Früheste Lese seit Beginn der Aufzeichnungen

Nach Angaben des Deutschen Weininstituts begann die Traubenernte bereits in der zweiten Augustwoche. Das sei in allen Anbaugebieten der früheste Lesestart überhaupt gewesen, sagte DWI-Sprecher Ernst Büscher – rund eine Woche vor dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre und etwa vier Wochen vor dem üblichen Termin von vor 30 bis 40 Jahren. Verantwortlich ist der heiße, extrem trockene Sommer: An der DWD-Station Geisenheim im Rheingau lag der Juli mit 22,8 Grad auf Platz drei der wärmsten Juli-Monate seit 1885, dazu fielen dort nur 4,9 Liter Regen pro Quadratmeter.

Ab Mittwoch kippt die Wetterlage

Bis Dienstag hält sich die warme Luft, im Südwesten sind noch einmal 30 Grad und mehr drin. Am Dienstagabend erreicht eine Kaltfront den Westen, in der Nacht zum Mittwoch zieht sie an die Alpen und kommt dort ins Stocken. Am Mittwoch gibt es in den Weinbaugebieten von Baden bis zur Mosel Schauer und einzelne Gewitter, meist mit überschaubaren Mengen, am Alpenrand dagegen länger anhaltenden, kräftigen Regen. Die Höchstwerte sacken auf 18 bis 22 Grad, die Nächte kühlen auf 6 bis 12 Grad ab. Donnerstag beruhigt sich das Wetter kurz, zum Freitag greift die nächste Front von Westen an.

Was der Regen für die Trauben bedeutet

Für die Winzer ist das kein Drama, aber Stress. Hochreife Beeren mit dünner Schale nehmen Wasser rasch auf und können aufplatzen – dann haben Essigfäule und Botrytis leichtes Spiel, zumal die Trauben laut DWI bisher in allen Anbaugebieten als sehr gesund gelten. Wo die Mostgewichte stimmen, wird deshalb jetzt zügig gelesen. Die kühlen Nächte danach sind dagegen ein Gewinn, denn sie bremsen den Zuckeraufbau und erhalten die Säure, die deutschen Weinen ihre Frische gibt. Die Erntemenge dürfte wegen der kleinen Beeren trotzdem unterdurchschnittlich bleiben.

Dominik Jung
Über den Autor

Dominik Jung

Diplom-Meteorologe

Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.

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