
Der Sommer ist vorbei, doch in Nord- und Ostsee steckt die Wärme noch. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat am Montag Bilanz gezogen: Beide Meere lagen rund ein Grad über dem Mittel, vor Helgoland zählten die Fachleute 66 Tage mit mariner Hitzewelle. In dieser Woche bringen Wind und Kaltluft die erste spürbare Abkühlung.
Fünftwärmster Nordsee-Sommer seit 1997
Die mittlere Oberflächentemperatur der Nordsee lag im Sommer 2026 bei 15,6 Grad und damit knapp ein Grad über dem Mittel der Jahre 1997 bis 2021. Laut BSH ist das der fünftwärmste Sommer seit 1997, wärmer war es nur 2025, 2003, 2014 und 2018. Die Ostsee kam auf 17,2 Grad, ebenfalls rund ein Grad zu viel, das reicht für Platz sieben. Auffällig ist die Verteilung über die Monate: Im Juni lag die Ostsee etwa drei Grad über dem Mittel, im August war das Wasser der Nordsee dann sogar leicht kühler als üblich.
66 Tage Hitzewelle vor Helgoland
Am stärksten aufgeheizt war die südliche Nordsee. Dort und im Ärmelkanal betrugen die Abweichungen zwei Grad und mehr, einzelne Gebiete stellten neue Höchstwerte seit 1997 auf. An der Messstation vor Helgoland registrierte das BSH 66 Tage mit mariner Hitzewelle, also Phasen von mindestens fünf Tagen mit für Ort und Jahreszeit ungewöhnlich warmem Wasser. Am 1. Juli lag die Oberflächentemperatur dort fast vier Grad über dem Mittel seit Inbetriebnahme der Station im Jahr 2009. Damit machten sich extreme Wärmeereignisse „auch in unseren heimischen Meeren deutlich bemerkbar", sagt Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH.
Ab Mittwoch mischt der Wind das Wasser durch
Warmes Meerwasser bedeutet mehr schädliche Algenblüten, Sauerstoffmangel und Druck auf wärmeempfindliche Arten. Auf diese Folgen weist das BSH ausdrücklich hin. Kurzfristig bringt das Wetter nun eine Wende: Am Dienstag frischt der Wind an den Küsten stark böig auf, ab Mittwoch strömt mit einer Kaltfront deutlich kühlere Luft heran. Dann sind nur noch 17 bis 21 Grad zu erwarten, dazu Schauer und an der Nordsee kurze Gewitter. Wind und Wellen durchmischen das Wasser, die Ostsee liegt derzeit meist bei 16 bis 19 Grad und dürfte weiter verlieren.