Deutschland erlebte in der vergangenen Woche die heftigste Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor fast 150 Jahren. An drei Tagen in Folge wurden Höchsttemperaturen jenseits der 40-Grad-Marke in verschiedenen Regionen registriert. Damit fielen drei von insgesamt nur zwölf Tagen mit Spitzenwerten über 40 Grad seit Beginn der Messungen in Deutschland allein auf die vergangene Woche. Zudem wurden zwischen Freitag und Sonntag täglich neue Allzeitrekorde gebrochen. Nach 41,3 Grad in Saarbrücken am Freitag kam es am Samstag in Drewitz in Sachsen-Anhalt mit 41,5 Grad zum neuen Rekord. Am Sonntag wurden im brandenburgischen Coschen 41,7 Grad gemessen. Damit ist dies der dritte bundesweite Allzeit-Temperaturrekord in Folge.
Besonders auffällig waren auch die Tiefstwerte, denn in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche gab es verbreitet Tropennächte, also Nächte, in denen es zu keinem Zeitpunkt auf unter 20 Grad abkühlte. So verbreitet wie während dieser Hitzeperiode kam dies bislang noch nie in Deutschland vor. Der absolute Spitzen-Tiefstwert von 26,6 Grad aus dem Jahr 2012, der damals in Bad Harzburg registriert wurde, wurde um satte drei Grad übertroffen: Im sächsischen Kubschütz fiel das Thermometer in der Nacht von Samstag auf Sonntag nicht unter 29,4 Grad. In fast allen Bereichen brachte diese Hitzewelle somit neue Temperaturrekorde – ein absolutes Novum in der deutschen Wettergeschichte.
Extremereignisse wie dieses nur durch Klimaerwärmung erklärbar
Kann man den Klimawandel in der Wettervorhersage sehen? Ja und nein. Doch in der vergangenen Woche konnte man diese Frage eigentlich nur noch mit „Ja" beantworten, denn noch nie zuvor hatte es in Deutschland solch hohe Temperaturen gegeben. Da nicht nur vereinzelt ein bisheriger Rekord leicht übertroffen wurde, sondern sehr verbreitet und über mehrere Tage hinweg neue Allzeitrekorde erreicht wurden, lässt sich diese Hitzewelle nur mit der globalen Erwärmung durch den Menschen erklären.
Auch wenn es im weltweiten Mittel bislang etwa 1,1 Grad wärmer geworden ist als im vorindustriellen Zeitalter, das in der Klimatologie den Zeitraum vor dem Jahr 1900 bezeichnet, sei die vergangene Hitzewelle in Deutschland rund 3,5 Grad wärmer ausgefallen, als es ohne den aktuellen Klimawandel der Fall gewesen wäre. Zu diesen Erkenntnissen kam eine aktuelle Analyse der World Weather Attribution (WWA). Selbst im Vergleich zum durchschnittlichen Klima des Jahres 2003, als es einen sehr langen und heißen Sommer gab, sei die Hitzewelle bereits rund zwei Grad wärmer gewesen, als dies damals der Fall gewesen wäre.
Die Auswirkungen des Klimawandels treten nicht überall und jederzeit gleich stark auf. Gerade Extremereignisse verstärken sich dadurch jedoch überproportional, sodass solche Werte zustande kommen können. Dies ist auch als Warnsignal für die Zukunft zu verstehen, denn ein weltweites Klima, das im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter beispielsweise drei Grad wärmer ist, würde in Deutschland gerade im Sommer für deutlich höhere Temperaturen sorgen. Rechnet man die bisherigen Erkenntnisse auf ein solches Szenario hoch, wären Spitzenwerte von 45 Grad in Deutschland durchaus realistisch. Auch die Anzahl der Hitzetage mit über 30 Grad, die Zahl der Tropennächte mit Temperaturen über 20 Grad sowie die Intensität von Unwettern würden in der Folge deutlich zunehmen. Eine Hitzewelle wie diese könnte also bereits in einigen Jahrzehnten keine Ausnahme mehr sein, sondern zur Normalität werden und in dieser Größenordnung jährlich oder sogar mehrmals im Jahr auftreten.