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Polarlichter im Norden möglich: Schauerwolken stören die Sicht

09. Oktober 2026·18:03 Uhr
2 Min. Lesezeit
WetterwissenWetterlage
Polarlichter im Norden möglich: Schauerwolken stören die Sicht

Auf der Sonne hat es in den vergangenen Tagen gleich mehrfach gekracht, und die ausgeschleuderten Teilchenwolken erreichen ausgerechnet heute Abend die Erde. Für die Nacht zum Samstag ist ein mäßiger geomagnetischer Sturm angekündigt, im Norden Deutschlands können Polarlichter am Horizont aufleuchten. Ob man sie sieht, entscheidet allerdings das Wetter: Sturmtief GABRIELA schickt gleichzeitig Schauer und Gewitter an die Küste.

Sonnensturm mit Ansage für den Freitagabend

Ausgangspunkt ist die aktive Sonnenfleckenregion 4549. Sie schleuderte am 6. Oktober nach einem M1.4-Flare eine schnelle Plasmawolke ins All, am Donnerstag um 17:48 Uhr folgte ein kräftiger M6.7-Flare, der auf der Tagseite der Erde kurzzeitig den Kurzwellenfunk störte. Das Space Weather Prediction Center der US-Wetterbehörde NOAA erwartet in seiner Vorhersage vom Freitagmittag Kp-Werte bis 6, also Stufe G2 von 5, mit dem Höhepunkt zwischen dem späten Nachmittag und Mitternacht. Der Samstag dürfte ruhiger verlaufen, am frühen Sonntagmorgen ist erneut G1 bis G2 möglich. Die Ankunftszeiten solcher Wolken sind allerdings um mehrere Stunden unsicher.

Wo die Chancen am besten stehen

Ein Kp-Wert von 6 reicht in Norddeutschland meist für einen grünlichen oder rötlichen Schimmer tief am Nordhorizont, mit bloßem Auge oft nur schwach, auf Handyfotos mit Langzeitbelichtung deutlich kräftiger. In der Mitte und im Süden braucht es erfahrungsgemäß Kp 7 und mehr. Rückenwind gibt der Mond: Am Samstag ist Neumond, der Himmel bleibt also stockdunkel. Wer es versuchen möchte, sucht sich ab etwa 20 Uhr einen Ort fern von Straßenlaternen mit freiem Blick nach Norden, etwa an der Küste, auf Deichen oder auf freien Feldern, und gibt den Augen eine Viertelstunde Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.

Wolkenlücken sind das Nadelöhr

Das Wetter spielt nur teilweise mit. Sturmtief GABRIELA bei Island lenkt kühle Polarluft über die noch warme Nordsee, die im September laut DWD 1 bis 4 Grad wärmer war als im Mittel. Das treibt auch nachts Schauer und Gewitter an, in Ostfriesland, an der Nordsee und in Schleswig-Holstein mit 10 bis 20 Litern pro Quadratmeter und stürmischen Böen. Etwas bessere Chancen bieten der Westen und die Landesmitte, wo der Regen am Abend nachlässt und die Wolken aufreißen, die Polarlichter dort aber nur bei einem stärkeren Sturm sichtbar werden. Am Wochenende bleibt es im Norden schauerig bei 13 bis 18 Grad, ab Montag beruhigt sich das Wetter mit Nebel und örtlichem Bodenfrost im Süden.

Dominik Jung
Über den Autor

Dominik Jung

Diplom-Meteorologe

Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.

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