
In der Nacht zum Freitag erreichen die Draconiden ihr Maximum, und der Himmel wäre so dunkel wie selten: Die Mondsichel ist zu gerade einmal 4 Prozent beleuchtet und geht erst am Morgen auf. Ausgerechnet dann zieht aber die Kaltfront mit kräftigem Regen über Deutschland. Wer die langsamen Sternschnuppen sehen will, sollte deshalb schon heute oder am Mittwochabend nach oben schauen.
Ein stiller Strom mit wilder Vergangenheit
Die Draconiden sind von 6. bis 10. Oktober aktiv, ihr Maximum wird für Freitag, 9. Oktober, gegen 3 Uhr erwartet. Am besten beobachtet man sie aber am Abend: Am Donnerstag gegen 21 Uhr steht der Radiant im Sternbild Drache rund 63 Grad hoch im Westnordwesten. Die Teilchen stammen vom Kometen 21P/Giacobini-Zinner und treten mit nur etwa 20 Kilometern pro Sekunde in die Atmosphäre ein. Deshalb ziehen sie auffallend langsam über den Himmel. Normalerweise sind es nur rund fünf Meteore pro Stunde. Der Strom ist aber für Überraschungen bekannt: 1933 und 1946 fielen Hunderte Sternschnuppen pro Minute, 2011 waren es rund 300 und 2018 rund 150 pro Stunde.
Ausgerechnet zum Höhepunkt kommt die Regenfront
Bis Mittwoch bleibt es vielerorts ruhig. Am Abend kommen im Westen die ersten Schauer und vereinzelt Gewitter auf. Am Donnerstag greift die Kaltfront mit teils länger anhaltendem und kräftigem Regen vom Westen auf den Osten über. Die Höchstwerte gehen auf 14 bis 20 Grad zurück, an der See weht der Wind stürmisch. Auch in der Nacht zum Freitag halten sich bei uns überwiegend dichte Wolken, und von Nordwesten kommt schon das nächste Regengebiet heran. Größere Wolkenlücken sind damit ausgerechnet zum Maximum unwahrscheinlich. Ganz ausschließen lassen sie sich hinter der Front aber nicht. Am Wochenende bleibt es bei 13 bis 19 Grad wechselhaft.
Unser Tipp: früher losgehen und dunkle Orte suchen
Die besten Chancen bietet der heutige Dienstagabend. Wo sich der Nebel nicht festsetzt, ist der Himmel oft klar, und der Strom ist offiziell schon aktiv. Im Osten und Süden lohnt sich auch der Mittwochabend, bevor dort die Wolken dichter werden. Abseits der Maximumnacht fallen die Raten zwar noch geringer aus, unter einem dunklen Landhimmel sind trotzdem einzelne Draconiden und zusätzlich sporadische Meteore zu sehen. Wichtig sind ein Ort ohne Straßenlaternen, rund 20 Minuten Zeit, damit sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen, und warme Kleidung, denn die Nächte kühlen auf einstellige Werte ab. Wer leer ausgeht, kann es mit den Orioniden noch einmal versuchen. Ihr Maximum liegt am 21. und 22. Oktober, dann stört allerdings der zunehmende Mond.
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.



