
Alle zweieinhalb Minuten ein neues, scharfes Bild von Europa: Mit dem Satelliten MTG-I2 ist Europas neue Wettersatelliten-Flotte seit Ende August komplett. Für die Gewittervorhersage ist das ein großer Schritt, denn gerade die ersten Minuten einer Unwetterzelle entscheiden über rechtzeitige Warnungen. Bis der Satellit liefert, dauert es allerdings noch. Die Kaltfront, die ab Mittwochabend über Deutschland zieht, verfolgen wir noch mit der bisherigen Technik.
Das dritte Auge in 36.000 Kilometern Höhe
MTG-I2 startete am 27. August um 22:10 Uhr unserer Zeit an Bord einer Ariane 6 aus Französisch-Guayana. Am 9. September übernahm die europäische Wettersatelliten-Organisation EUMETSAT mit Sitz in Darmstadt die Kontrolle. Damit ist die erste vollständige Konstellation der Meteosat Third Generation im All: zwei Bildsatelliten und ein Sondierer. Während Meteosat-12 über dem Nullmeridian alle zehn Minuten die gesamte sichtbare Erdscheibe aufnimmt, soll MTG-I2 von 9,5 Grad Ost aus nur Europa und Nordafrika abtasten, dafür aber alle 2,5 Minuten. Das ist doppelt so oft wie beim bisherigen Schnellscan. Den regulären Betrieb erwartet EUMETSAT nach der Kalibrierung im zweiten Quartal 2027.
Warum ein paar Minuten bei Gewittern zählen
Eine Gewitterzelle kann vom ersten Quellwolkenturm bis zum Hagelschlag in weniger als einer halben Stunde heranwachsen. Je häufiger und schärfer der Blick von oben, desto früher erkennen Meteorologinnen und Meteorologen schnell aufschießende Wolkentürme. Der Bildsensor des neuen Satelliten löst in vier Kanälen bis auf 500 Meter auf und besitzt eigene Kanäle zur Erkennung von Bränden. Dazu kommt ein Blitzsensor mit vier Kameras, der Entladungen ununterbrochen registriert und damit Hinweise auf die Stärke einer Zelle liefert. Laut EUMETSAT-Managerin Julia Hunter-Anderson wird MTG-I2 den Mitgliedsstaaten nach Abschluss der Tests Beobachtungen alle 2,5 Minuten liefern.
Kaltfront mit Gewittern zieht ab Mittwochabend durch
Wie schnell sich das Wetter dreht, zeigt diese Woche. Bis Mittwoch bleibt es nach Nebel meist freundlich und mild, im Süden sind bis 24 Grad drin. Von einem Tief über der südlichen Nordsee zieht ab Mittwochabend eine Kaltfront von Nordwest nach Südost über Deutschland. Sie bringt verbreitet Regen, teils mit Gewittern. Am Donnerstag erreichen die Höchstwerte nur noch 13 bis 20 Grad, an der Küste weht der West- bis Nordwestwind teils stürmisch. Am Alpenrand regnet es bis Freitag immer wieder, die Schneefallgrenze sinkt dort auf etwa 1.500 Meter. Das Wochenende verläuft wechselhaft mit jahreszeitlich normalen Temperaturen.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



