
Der Rekordsommer hat Böden, Wiesen und Gärten ausgetrocknet – und damit die Speisekammer der Igel geleert. Ausgerechnet jetzt, in der Zeit, in der sich die Tiere ihr Winterfett anfressen müssten, sind viele Jungigel deutlich zu leicht. Das milde Hochdruckwetter der kommenden Tage verschafft ihnen eine kleine Verschnaufpause.
Leere Speisekammer nach dem Rekordsommer
Der Sommer 2026 war einer der heißesten und trockensten seit Messbeginn – und genau das trifft die Igel. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern beschreibt, wie sich Regenwürmer bei anhaltender Trockenheit in tiefe Bodenschichten zurückziehen und wie Käfer, Raupen und Ohrwürmer seltener werden. Bekommen säugende Igelweibchen zu wenig Futter, geben sie zu wenig Milch, und die Jungen bleiben klein. Andrea Hohlweck vom BUND Heilbronn-Franken berichtete Ende August von überfüllten Stationen, in denen vor allem stark ausgetrocknete Jungigel abgegeben werden. Ihr Appell an Gartenbesitzer: unbedingt flache Wasserschalen aufstellen.
Milde Nächte verschaffen Zeit
Nach dem stürmischen Wochenstart übernimmt ein kräftiges Hoch. Von Mittwoch bis Sonntag erwarten wir 17 bis 25 Grad, dazu morgens Nebel in den Flusstälern und milde Nächte, nur am Donnerstag sind im Südosten einzelne kräftige Gewitter dabei. Für die Igel ist das wertvolle Zeit: In den Winterschlaf gehen sie meist erst Mitte November oder wenn die Nächte dauerhaft frostig werden. Jede milde Woche davor zählt, denn Jungtiere sollten nach Angaben von Igelstationen rund 500 bis 600 Gramm wiegen. Ergiebiger Landregen, der Regenwürmer zurück an die Oberfläche holt, ist allerdings kaum in Sicht.
Zählaktion läuft noch bis zum 28. September
Wie es um die Bestände wirklich steht, weiß niemand genau. Deshalb läuft noch bis zum 28. September die vierte Herbstzählung der Deutschen Wildtier Stiftung: Wer einen Igel oder einen frischen Maulwurfshügel entdeckt, meldet die Beobachtung mit Datum und Ort auf igelsuche.de, in Bayern auf igel-in-bayern.de. Jede einzelne Meldung liefere wertvolle Daten, die Forschende allein kaum flächendeckend sammeln könnten, sagt Artenschützerin Lea-Carina Hinrichs. Der Braunbrustigel steht in Deutschland auf der Vorwarnliste der Roten Liste, die Weltnaturschutzunion IUCN führt ihn seit 2024 als potenziell gefährdet.
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.







