
Eigentlich ist jetzt Hochsaison im Wald: September und Oktober sind die ergiebigsten Pilzmonate des Jahres. Doch nach dem Dürresommer bleiben die Körbe vielerorts leer. Wo überhaupt etwas wächst, sind die Hüte klein und rissig. Und das sonnige, warme Wetter der kommenden Tage macht die Sache eher schlechter als besser.
Zu trocken für das Pilzgeflecht
Das eigentliche Lebewesen steckt im Boden: ein feines Geflecht aus Pilzfäden, das Myzel. Fruchtkörper – also die Pilze, die wir sammeln – bildet es nur, wenn genug Wasser im Oberboden steckt, meist ein bis zwei Wochen nach ergiebigem Regen. Genau der fehlt seit Monaten. Der Pilzsachverständige Klaus Rödder aus Kradenbach sagte am Donnerstag der dpa: "Es ist im Moment immer noch zu trocken" – und macht auch für die Hauptsaison im Oktober wenig Hoffnung. Sein Kollege Dr. Till Panter aus Rheinhessen hat zwar erste Steinpilze und Wiesenchampignons gefunden, viele davon aber mit deutlichen Trockenschäden.
Hochdruck bis Anfang Oktober
Ab Freitag setzt sich Hochdruck durch. Am Sonntag erwarten wir 22 bis 27 Grad, im Südwesten 25 bis 29 und am Oberrhein örtlich bis 31 Grad, während der Norden mit 18 bis 23 Grad kühler bleibt. Von Montag bis Mittwoch liegen die Höchstwerte bei 24 bis 29 Grad, die Nächte bei 15 bis 7 Grad. Nennenswerter Landregen ist bis Anfang Oktober nicht in Sicht. Für Sammler ist das die denkbar ungünstigste Kombination: Sonne und Wärme treiben die Verdunstung an und ziehen dem Oberboden das letzte Wasser. Feuchte hält sich allenfalls noch in Mulden, an Nordhängen und in schattigen Bachtälern.
Sicher sammeln und maßvoll bleiben
Wer trotzdem loszieht, sollte vorher die Bodenfeuchtekarten prüfen – in Regionen mit extremer Dürre lohnt die Suche kaum. Von rund 14.400 Pilzarten in Deutschland gelten nur etwa 200 als essbar, rund 150 als giftig, zehn davon als tödlich; der Grüne Knollenblätterpilz wird von Anfängern gern mit Champignons verwechselt. Im Zweifel hilft ein Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Transportiert wird in luftigen Körben statt in Plastiktüten. Steinpilz, Pfifferling, Birkenpilz und Rotkappe stehen zudem unter besonderem Schutz: erlaubt ist nur der Eigenbedarf, als Faustregel etwa ein Kilogramm pro Person und Tag.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.







