
Für das bloße Auge ist der Brand im Hürtgenwald vorbei – doch unter der Asche arbeitet das Feuer weiter. Rund 300 Hektar sind verbrannt, es ist der größte Waldbrand in Nordrhein-Westfalen seit Beginn der amtlichen Statistik 1991. Der Regen der vergangenen Tage hat geholfen, aber er erreicht längst nicht jede Glut.
300 Hektar, 1800 Evakuierte, explodierende Munition
Ausgebrochen ist das Feuer am 13. August bei Hürtgenwald-Gey im Kreis Düren. In der Nacht darauf mussten rund 1800 Menschen ihre Häuser verlassen, die Flammen standen zeitweise nur 250 Meter vor den Wohngrundstücken. Bis zu 1800 Einsatzkräfte kämpften gegen den Brand, unterstützt von Bundeswehr, THW und Landwirten. Erschwert wurde die Arbeit durch Kampfmittel aus der Schlacht im Hürtgenwald: Nach Angaben des Kreises Düren explodierte in der Nacht zum 14. August Munition auf der Brandfläche, Teile des Geländes durften die Kräfte nicht betreten. Fünf Menschen wurden verletzt.
Warum der Regen die Glut im Boden nicht erreicht
Offene Flammen gibt es seit Tagen nicht mehr, gefährlich sind die Glutnester. Sie sitzen in der ausgedörrten Humus- und Wurzelschicht und reichen im Boden oft deutlich weiter, als an der Oberfläche zu sehen ist. Stark ausgetrockneter Humus wirkt zudem wasserabweisend: Ein Schauer perlt ab oder fließt oberflächlich davon, statt in die Tiefe zu sickern. So übersteht die Glut auch mehrere Regenstunden, und ein trockener, windiger Tag genügt, um sie wieder anzufachen. Drohnen mit Wärmebildkameras suchen die Nester inzwischen aus der Luft, zuletzt waren noch rund 400 Kräfte im Einsatz.
Gewitter im Süden, wenig Regen im Westen
Die Woche bleibt zweigeteilt. Am Donnerstag und Freitag ziehen im Süden und Südosten kräftige Gewitter auf, örtlich mit 20 bis 40 Litern pro Quadratmeter in wenigen Stunden, dazu Hagel und Sturmböen. Ab Montag erwarten wir von Südwesten her länger anhaltenden Regen mit 30 bis 60, örtlich bis 80 Litern. Im Westen und Nordwesten fällt dagegen wenig. Wie angespannt der Sommer war, zeigt die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes: Bis zum 2. August gab es im Deutschlandmittel rund 22 Tage mit Waldbrandgefahr der Stufe 4 oder 5, üblich sind etwa zehn.