
Am Bodensee hat eine einzelne Gewitterzelle innerhalb von Minuten einen ganzen Ortsteil verwüstet. In Bohlingen bei Singen deckten Böen rund 100 Häuser ab, die Feuerwehr ließ den Ort komplett absperren. Zuvor war die Zelle über die Schweiz gezogen und hatte dort Hagel von sechs Zentimetern gebracht. Am Abend verlagert sich die Gefahr nach Südostbayern.
Rund 100 Häuser ohne Dach
Gegen 10 Uhr traf die Zelle den Süden von Singen. Am schwersten erwischte es die Ortsteile Bohlingen und Überlingen am Ried: Dutzende Dächer sind abgedeckt, Bäume liegen quer über den Straßen, dazu kamen Wasserschäden. Nach Angaben der Feuerwehr sind rund 100 Häuser betroffen, verletzt wurde niemand. Einsatzleiter Mario Dutzi sprach von einer sehr starken Unwetterzelle und warnte davor, die umliegenden Wälder zu betreten, weil weiter Äste herabfallen können. Die Eröffnung der Bohlinger Sichelhenke am Abend wurde abgesagt. Für den Bodenseeraum hatte der DWD zuvor die höchste Warnstufe Violett ausgegeben, eine amtliche Warnung vor extremem Unwetter mit Orkanböen bis 140 km/h und Hagel um fünf Zentimeter.
Die Zugbahn führte über die Schweiz
Die Gewitterlinie kam vom Schweizer Seeland über den Aargau und das Zürcher Unterland zum Bodensee. Dort fielen Hagelkörner bis sechs Zentimeter, die Kantonspolizei Solothurn zählte bis zum Morgen über 200 Schadenmeldungen, im Aargau kippten Strommasten um, einer davon auf ein Wohnhaus. Zwischen Biel und Olten stand der Zugverkehr zeitweise still, Schweizer Behörden meldeten bis Mittag rund 46.000 Blitze. Auch auf der Schwäbischen Alb blieben Spuren: In Sonnenbühl schoben Straßentrupps Hagelmassen mit Schneeschiebern weg, in Bad Urach zerschlug Hagel Fensterscheiben, im Kreis Reutlingen liefen Keller und Straßen voll.
Am Abend trifft es Südostbayern
Vorbei ist die Lage noch nicht. Die Kaltfront schiebt sich am Freitagabend weiter nach Osten und Südosten, wobei subtropisch warme Luft von kühlerer Atlantikluft verdrängt wird. Im Süden und Südosten Bayerns erwarten wir bis in die Nacht weitere kräftige bis schwere Gewitter, örtlich mit Böen um 100 bis 120 km/h, Hagel um drei Zentimeter und Starkregen. In den Alpen kommt zusätzlich Föhn mit Sturmböen in den Hochlagen auf. Am Samstag beruhigt sich das Wetter bei 22 bis 27 Grad deutlich, am Sonntag ziehen im Norden neue Schauer und teils kräftige Böen auf.