
Wer dieser Tage durch einen Buchenwald oder einen Stadtpark läuft, könnte den Kalender für falsch halten: Das Laub raschelt braun unter den Schuhen, einzelne Kronen stehen bereits kahl. Das ist kein früher Herbst, sondern eine Notreaktion auf einen der trockensten Sommer der Messgeschichte – und sie verrät viel über den Zustand unserer Wälder.
Herbstfarben mitten im August
In der Rhön verfärben sich die Kronen schon jetzt. Aus dem UNESCO-Biosphärenreservat heißt es, bei Ahorn, Buche, Hainbuche und Linde vertrockneten die Blätter frühzeitig, würden gelblich oder braun und fielen ab. Der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen meldet vergilbte bis vollständig kahle Kronen vor allem in der Eifel und beziffert den Anteil der Landesfläche mit ungewöhnlicher Trockenheit oder Dürre auf 94 Prozent. Betroffen sind dort besonders Birken, Rotbuchen und Linden. In Wuppertal mussten fast 1000 vertrocknete Stadtbäume gefällt werden.
Warum der Baum sein eigenes Laub opfert
Blätter sind die Verdunstungsfläche eines Baumes. Findet die Wurzel kein Wasser mehr, drosselt er zuerst die Verdunstung und leitet dann die Blattalterung vorzeitig ein – er wirft ab, was ihn Wasser kostet. Das ist eine Notbremse, kein Sterben. Anders als im echten Herbst bleibt dabei allerdings kaum Zeit, Nährstoffe aus dem Blatt zurück in Zweig und Stamm zu holen. Der Baum verliert also Reserven, verkürzt seine Wachstumssaison und geht geschwächt ins nächste Jahr. Alte Buchen in Parks, an feuchtere Sommer gewöhnt, trifft das besonders hart.
Ein paar Gewitter reichen nicht
Das Wochenende bleibt ruhig und mit 17 bis 24 Grad frisch, zum Wochenstart wird es wieder wärmer, im Südwesten sind bis zu 28 Grad drin. Zur Wochenmitte nähern wir uns im Süden erneut der 30-Grad-Marke, dazu ziehen Schauer und Gewitter auf – wie viel Regen dabei tatsächlich fällt, zeigen die Modelle noch sehr unterschiedlich. Für den Wald ist das die falsche Sorte Niederschlag: Auf verkrusteten Böden läuft ein Gewitterguss oberflächlich ab. Was fehlt, ist ruhiger Landregen über Tage, der bis in die tieferen Wurzeln durchsickert.