
Die Getreideernte 2026 ist eingefahren, und sie fällt mager aus: 41,9 Millionen Tonnen, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Verantwortlich sind ein zu trockenes Frühjahr und die Junihitze mitten in der Kornfüllung. Der Regen, der diese Woche über Deutschland zieht, hilft dem Korn nicht mehr – für Futter und Rapsaussaat zählt aber jeder Liter.
Sieben Prozent weniger Getreide
Der Deutsche Bauernverband hat seine Erntebilanz vorgelegt: 41,9 Millionen Tonnen Getreide gegenüber 45,2 Millionen Tonnen im Vorjahr, im Schnitt 68,9 Dezitonnen pro Hektar und damit neun Prozent weniger. Beim Winterweizen, mit rund 2,9 Millionen Hektar die wichtigste Kultur, bleiben 20,9 Millionen Tonnen und 72,1 Dezitonnen pro Hektar. Am härtesten traf es den Winterraps mit einem Ertragsminus von 20 Prozent auf 29,1 Dezitonnen. Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert ein Sofortpaket von der Bundesregierung, unter anderem eine auf 180 Millionen Euro aufgestockte Düngemittelhilfe und vorgezogene Direktzahlungen.
Junihitze traf die Kornfüllung
Das Wetterjahr erklärt die Zahlen fast von allein. Auf ein extrem niederschlagsarmes Frühjahr folgte die Hitzewelle in der zweiten Junihälfte, genau als sich das Korn füllte. Die Pflanzen schalteten in die Notreife, die Körner blieben klein und leicht. Nur die Wintergerste kam mit 9,5 Millionen Tonnen auf Vorjahresniveau, weil sie vor der großen Hitze reif war und früh gedroschen werden konnte. Quer durch die Republik zieht sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle: Im Norden fiel zwischendurch Regen, im Süden und Westen fehlte er über Wochen. Rukwied fasst es so zusammen: „Der Standort hat in diesem Jahr über den Ertrag entschieden wie selten zuvor.“
Was der Regen dieser Woche noch bringt
Am Donnerstag und Freitag ziehen im Süden und Südosten kräftige Gewitter auf, örtlich mit 20 bis 40 Litern pro Quadratmeter in wenigen Stunden. Zum Wochenstart folgt Dauerregen mit 30 bis 60, in der östlichen Mitte örtlich bis 80 Litern. Für das Getreide ändert das nichts mehr, es liegt im Lager. Entscheidend ist der Regen für die zweite Baustelle: Nach einer Umfrage der Agrarfachpresse bewerten in Bayern knapp 80 Prozent der Betriebe ihr Grünland und 44 Prozent ihren Silomais als mangelhaft oder schlechter, im Norden des Landes wird Mais mit rund der Hälfte Ausfall notgeerntet. Gebraucht wird jetzt ruhiger Landregen – auch, damit die gerade laufende Rapsaussaat überhaupt keimt.