
Die Getreideernte 2026 ist weitgehend eingefahren – und sie fällt magerer aus als in jedem der vergangenen fünf Jahre. Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg hat die Hitze ab Mitte Juni die Körner regelrecht verbrennen lassen. Jetzt rechnet die Branche zusammen, was der Dürresommer gekostet hat. Und der Regen, der ab Dienstag kommen soll, hilft dem Weizen nicht mehr.
40,6 Millionen Tonnen – zehn Prozent weniger
Der Deutsche Raiffeisenverband hat seine Erntebilanz am 13. August vorgelegt: Bundesweit rechnet er mit rund 40,6 Millionen Tonnen Getreide, etwa zehn Prozent weniger als 2025 und deutlich unter dem Fünfjahresmittel von 42,5 Millionen Tonnen. Am härtesten trifft es den Winterweizen mit 19 Millionen Tonnen, ein Minus von 15 Prozent. Die Sommergerste verliert 24 Prozent, der Körnermais 14 Prozent, beim Raps sinkt die Menge von 4,0 auf 3,7 Millionen Tonnen. Allein seit Mitte Juni gingen rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren – ein Einnahmeausfall von über 600 Millionen Euro.
Norden im Mittel, im Süden drohen Totalausfälle
Das Gefälle ist in diesem Jahr ungewöhnlich scharf. Schleswig-Holstein kommt nahezu an das Vorjahresniveau heran, Norden und Osten liegen im Durchschnittsbereich, während Baden-Württemberg und Bayern Einbußen von bis zu 20 Prozent melden. Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach am 14. August von teilweise totalen Ausfällen und nannte für den Südwesten elf Millimeter Regen im Juli und acht Millimeter im August bis zur Monatsmitte. Auch die Qualität leidet: kleinere Körner, schwächere Backeigenschaften, mehr Partien dürften als Futterweizen enden. Die ausführliche Bilanz des Bauernverbands folgt am Dienstag.
Regen ab Dienstag – für das Getreide zu spät
Die Wochenvorhersage der Wettergefahren des Deutschen Wetterdienstes vom Sonntag, 5 Uhr, nennt für Montag im Süden und Südosten Schauer und Gewitter mit Starkregen, Hagel und Böen. Ab Dienstag hält der DWD regional flächigen Regen für wahrscheinlich, für Donnerstag und Freitag in der Südosthälfte sogar Stark- oder Dauerregen, ausdrücklich als sehr unsicher gekennzeichnet. Die Höchstwerte gehen laut 10-Tage-Vorhersage auf 20 bis 28 Grad zurück. Für das Getreide kommt das zu spät, für Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben zählt jeder Liter. Auf verkrusteten Böden läuft kurzer Starkregen allerdings oberflächlich ab, statt zu versickern.