
Der Bodensee steht so tief wie noch nie zu dieser Jahreszeit: 2,51 Meter zeigt der Pegel Konstanz an diesem Freitagmorgen, gut einen Meter weniger als üblich. Seit Ende Juni unterbietet der See Tag für Tag seine eigenen Tiefstmarken. Und die Jahreszeit arbeitet gegen ihn, denn sein Minimum erreicht er normalerweise erst im Spätwinter.
2,51 Meter – Tiefstwert für die Jahreszeit
Am Freitagmorgen um 8.31 Uhr stand der Pegel Konstanz bei 251 Zentimetern, das sind 107 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel von 358 Zentimetern für dieses Datum. Ende September fehlten nur noch drei Zentimeter bis zur Marke von 2,50 Metern. Der niedrigste Wert der Messreihe seit 1850 stammt mit 2,26 Metern vom Ende des Winters 1858. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg rechnet wegen der anhaltenden Trockenheit und des natürlichen Jahresgangs mit weiter sinkenden Ständen. Der Pegel misst dabei nicht die Wassertiefe, sondern den Stand über dem Pegelnullpunkt.
Der fehlende Alpenwinter wirkt bis heute nach
Der See lebt vom Alpenrhein und den übrigen Zuflüssen aus dem Gebirge. Nach dem schneearmen Winter blieb im Frühjahr das Schmelzwasser aus, danach folgten Monate mit zu wenig Regen und ein warmer Sommer mit hoher Verdunstung. Üblicherweise steht der Bodensee Ende Juni am höchsten und läuft dann bis in den Spätwinter langsam leer, der Tiefpunkt liegt also noch vor ihm. Ein einzelner Regentag ändert daran nichts: Das Becken fasst rund 48 Milliarden Kubikmeter, gefüllt wird es nur über viele nasse Wochen im Einzugsgebiet.
Unsere Vorhersage: Der Regen geht nach Norden
Am Wochenende bleibt es im Süden nach zähem Frühnebel meist trocken bei 17 bis 24 Grad, am Montag fällt dort etwas Regen. Dienstag und Mittwoch trifft der Niederschlag vor allem den Norden, am Donnerstag ziehen Schauer durch bei 14 bis 20 Grad, am Freitag sind es nur noch 12 bis 18 Grad. Für das Alpeneinzugsgebiet ist das zu wenig. Kursschiffe lassen flache Anleger weiter aus, auf dem Alten Rhein brauchen sie nach Angaben von Nautikchef Remo Stevanon von der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt einen Konstanzer Pegel von 3,40 Metern. Das Trinkwasser für vier Millionen Menschen kommt aus 60 Metern Tiefe und ist nicht gefährdet.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



